Atelierbesuch

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Zusammen mit der Unternehmensgruppe JAB Anstoetz haben wir das SALON-Möbelkrankenhaus gegründet und drei Lieblingsstücke unserer Leser und Leserinnen wieder auf Vordermann gebracht

Text: VERENA RICHTER
Fotografie: JONAS VON DER HUDE
23. Februar 2026
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Das Handwerkszeug der Möbelrestauration - bereit für die Aufarbeitung

„ Unser Sessel erzählt mehr Geschichten, als er tragen kann“, schrieb eine Leserin über ihren Loungechair. Und weil wir wissen, dass ein Möbel oft nicht nur Einrichtungsgegenstand, sondern auch Begleiter und Vertrauter – oder wie unsere Leserin schrieb: Halt und Heimat – ist, haben wir gemeinsam mit der Bielefelder Unternehmensgruppe JAB Anstoetz das SALON-Möbelkrankenhaus ins Leben gerufen. Dort ließen wir drei in die Jahre gekommene Lieblingsstücke unserer Leser und Leserinnen auf Vordermann bringen.

„Zwei der Patienten mussten direkt auf die Intensivstation“, erzählt einer der Polsterer lachend. Er gehört zu den Experten der Firmengruppe, die jahrzehntelang gewachsenes Know-how unter einem Dach vereint: die JAB Anstoetz Group, die dieses Jahr ihr 80. Jubiläum feiert.

Aber selbst der erfahrene JAB-Fachmann traute seinen Augen kaum, als er die Risse im Lederbezug des Loungechairs genauer untersuchte: „In den Bezug waren einfach lose Schaumstoffflocken hineingestopft. So etwas hatte ich noch nie gesehen.“ Die Füllung wurde entsorgt und mit Daunen, Latex und Kaltschaumflocken ersetzt und in ein Trikotgewebe ein-genäht. „Wichtig war, die Füllung relativ locker zu gestalten, damit der knautschige Look des Loungechairs erhalten blieb. “Nun mussten noch die Außenschale angeschliffen und lackiert sowie das Drehgelenk im Fuß operiert, Pardon, repariert werden. „Das sah allerdings gar nicht gut aus“, erinnern sich die Experten. „Die sogenannten Pressbuchsen, die ausgewechselt werden mussten, waren keine Standardprodukte, man konnte sie nicht nachbestellen.“ Aber genau diese Reparatur lag unserer Leserin am Herzen. In ihrem Brief hieß es: „Ich weiß noch genau, wie ich mich als kleines Mädchen nervös auf dem Sessel hin- und herdrehte, während ich auf das Christkind wartete.“ Und so stellte das Team die Ersatzteile aus Metall an einer Drehbank selbst her.

Im Vergleich dazu wirken die Handgriffe an dem kleinen rosafarbenen Sofa – ein Erbstück aus der Villa des Urgroßvaters einer unserer Leserinnen – wie eine leichte Fingerübung. „Die Unterpolsterung war völlig intakt und nur der Bezugsstoff in einem schlechten Zustand“, so die Diagnose. Hier hatten zwei Parson Russell Terrier ihr Unwesen getrieben. Und weil die Besitzerin des Sofas Lust auf Veränderung hatte, wählte Pascal Walter statt eines unifarbenen Bezugs ein Streifendesign in Grün-Weiß, voller Hoffnung, dass die Hunde ab jetzt entweder in ihrem Körbchen bleiben oder auf einer Decke Platz nehmen. „Sechs Meter Stoff haben wir verbraucht“, so die Polsterer. Die größte Herausforderung? „Den Rapport genau zu verarbeiten. Die Streifen dürfen ihr Maß nicht verlieren und nicht wie angesetzt aussehen.“ Der Stoff liegt mit seinen 140 Zentimetern nicht breit genug, um die ganze Sitzfläche des Sofas abzudecken: „Deshalb haben wir links und rechts jeweils 15 Zentimeter angesetzt.“

Nachdem die Patienten nun wiederhergestellt sind und besser aussehen denn je, werden sie bald nach Hause geschickt – um weiterhin Halt und Heimat zu sein, hoffentlich für viele kommende Generationen.

Finden Sie mehr über das SALON-Möbelkrankenhaus in der SALON No. 46