Es heißt, in den Arbeiten von Luiza Anyszka stecke Alchemie. Sie habe die Fähigkeit, Orte zum Leben zu erwecken. In Breslau, einer der ältesten Städte Polens, gestaltete die Innenarchitektin für ein junges Paar ein Apartment in einem historischen Stadthaus: Ola und Maciek, beide 33, hatten hier studiert, bevor sie nach London zogen, wo Ola sich an der Kochschule Le Cordon Bleu in der hohen Kunst des Backens ausbilden ließ.
Zur Familiengründung zog es das Paar zurück in die polnische Heimat. Ganz loslassen wollten sie ihre London-Erinnerungen jedoch nicht: „Sie wünschten sich ein Zuhause mit historisch-polnischem Charakter, das zugleich die Wärme und Handwerkskunst ausdrückt, die sie an ihrem Londoner Zuhause schätzten“, sagt die Innenarchitektin, die 2023 in Warschau ihr Büro Anyszka Studio gründete. Sie selbst wuchs in einem Haus auf, in dem das Leben pulsierte, wo natürliche Materialien würdevoll alterten und sie umgeben von Farben und Gegenständen spielte, die ihre eigenen, stillen Geschichten erzählten. Diese Ästhetik ihrer Kindheit inspiriert heute ihre Arbeit. Im Apartment im Breslau wirkt sie wie ein Katalysator, durch den kräftige Farben und opulente Muster, Erinnerungsstücke, Design und Handwerk miteinander reagieren. Das Ergebnis ist eine Wohnung wie ein Märchen.
Bei der Renovierung ging Luiza Anyszka behutsam vor, bewahrte den Grundriss – Küche, Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmer und Bad auf 100 Quadratmetern – sowie die hohen Decken und die Proportionen. Neue Farben, alle von Farrow & Ball, verleihen den Räumen ihren englischen Charakter, Textilien und Tapeten sorgen für Exzentrik. So wählte die Innenarchitektin für die Wohnzimmerwände das helle „School House White“ und setzte als Kontrast schwere, strukturierte Vorhänge dagegen. Über dem Esstisch und den Bugholzstühlen der polnischen Traditionsmanufaktur Paged platzierte sie ein Gemälde der englischen Künstlerin Jenni Murphy, das zu den persönlichsten Details des Interiors gehört. „Together Again“ zeigt eine typisch englische Häuserreihe. Für Ola und Maciek, die kurz vor dem Lockdown nach London zogen, thematisiert das Bild die Zeit direkt danach, „als wir unsere Freunde und Familien wiedersahen“, wie Maciek erklärt.
Im Arbeitszimmer tragen Wände, Türen und die maßgefertigten Regale ein theatralisches Aubergine, das den Goldton der Tapete über dem Sofa umso stärker leuchten lässt. Der Flur ist mit satten Grüntönen, gewölbter Decke und einer Tapete, auf der Vögel und Schmetterlinge flattern, als verzauberter Garten gestaltet. Und die Küche steckt voller Geschichten: Ein Sternenhimmel unter der Decke erinnert an Luiza Anyszkas Kindertage. „Dieses tiefe Marineblau, über und über bemalt mit kleinen goldenen Sternen, kenne ich aus der Pfarrkirche von Złaków Kościelny. Das Bild habe ich bis heute vor Augen“, sagt sie. Dem schmalen Grundriss des Raums verleiht sie mit dem Himmel einen Hauch von Unendlichkeit. Im Schlafzimmer tragen die Wände Grün-Grau und die Türen des Kleiderschranks einen Stoffbezug mit einer asiatischen Landschaft. Die Fransenleuchten der englischen Designerin Matilda Goad sorgen für Leichtigkeit. Insgesamt strahlt der Raum etwas Sanftes aus“, sagt die Designerin. „Man soll beim Aufwachen nicht wissen, ob man noch träumt“ – man ist: verzaubert.
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