Design & Interior

Eternit auf Zeit

Viel Glas, offene Pultdächer und der Tiergarten vor der Tür: Das Eternithaus im Berliner Hansaviertel wurde für die Internationale Bauausstellung 1957 entworfen. Entrepreneur David Fuld hat einen Teil des Architekturjuwels nach und nach saniert und mit seiner Schwester Sarah-Jane Fuld eingerichtet

Text: ANTJE WEWER
Fotografie: ROBERT RIEGER
1. Juni 2026
Eternit auf Zeit
Minimalistisch eingerichtet und lichtdurchflutet: Die niedrigen Fensterbänke und Midcentury-Teakmöbel bestimmen den Stil der Maisonettewohnung. Tisch von Arne Jacobsen, Stühle von Ole Gjerløv-Knudsen & Torben Lind. Teppich aus Usbekistan: Thomas Wild Carpets

SALON Am Berliner Hansaviertel scheiden sich die Geister – die einen lieben die Fünfzigerjahre-Architektur; Altbauliebhaber suchen das Weite. Wie haben Sie es entdeckt?

David Fuld Ich kam jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit am Eternithaus vorbei. Das Erdgeschoss des Wohnschiffs, das Paul Baumgarten 1957 gebaut hat, stand leer. Damals war ich dringend auf der Suche nach neuen Büroräumen. Ich habe spontan den Vermieter angerufen und als ich das Haus betrat, war ich sofort von den Räumen begeistert – vom Licht, von der Offenheit. Das Parterre diente als Ausstellungsraum für den Auftraggeber Eternit, daher auch der Name. Ich habe mich eingemietet, den Glasbausteinraum renoviert und in der Mitte eine Bar hinzugefügt.

Sarah-Joan Fuld Eternit war ein Hersteller von farbigen Faserzementplatten, der in den Fünfzigerjahren die Baukosten übernommen hatte. Die leuchtend rote Beschriftung kam erst in den 70ern dazu und ist noch heute an der Fassade zu sehen. Daran bleiben die meisten hängen, die Schreibschrift macht gute Laune. Der Asbest in den Faserzementplatten der Fassade wurde übrigens nicht entsorgt – solange man ihn nicht ansägt, kann man damit unbedenklich wohnen.

SALON Sie sind gekommen, um zu bleiben?

David Fuld Auf jeden Fall. Nach all den Jahren begeistern mich die Linien des Hauses immer wieder aufs Neue. Jedes Mal, wenn eine der darüberliegenden Wohnungen frei wurde, habe ich versucht, zu mieten oder zu kaufen. Inzwischen sind es drei: In einer lebe ich mit meinen Söhnen, es gibt eine Gästewohnung, den Glasbausteinraum und eine Maisonettewohnung. Ich investiere gerne Zeit und Geld ins Eternithaus, weil ich wichtig finde, dass es erhalten bleibt.

Sarah-Joan Fuld Man könnte auch sagen, du bist der inoffizielle Hausmeister. (lacht). David hat eine große Werkzeugsammlung und repariert alles selber. From here to Eternity!

SALON Ihr Bruder hat Sie in Sachen Einrichtung dazugeholt. Gibt die denkmalgeschützte Architektur vor, wie man einrichtet?

Sarah-Joan Fuld Es braucht nicht viel, aber es braucht die richtigen Möbel. Im Erdgeschoss gibt es Fenster von beiden Seiten, man sitzt quasi im Garten. Auch die Lichtführung in den Wohnungen ist sehr gelungen, da lässt sich sogar der Berliner Winter aushalten. Durch die weiten Winkel wirken die zweistöckigen 90-m²-Wohnungen sehr groß. Midcentury passt hier sehr gut rein, ich habe nach unbekannteren Sachen gesucht, die sich harmonisch einfügen und selbstverständlich dastehen. Häuser im Hansaviertel sehen nicht so imposant aus wie ein klassizistischer Altbau – aber das Wohngefühl ist sensationell.

David Fuld Mir war gar nicht so bewusst, dass man Möbel wie Kunst sammeln kann und was es da alles zu entdecken gibt.

Sarah-Joan Fuld Und als Geschwister beschert uns das auch Zeit zusammen, wir waren schon in Paris bei Aurélien Serre, bei Morentz in den Niederlanden oder Studio Schalling im schwedischen Malmö auf Möbelsuche. In München lebe ich in einem Betonhaus und wenn ich in Berlin zu Besuch bin, genieße ich es, mitten im Tiergarten zu wohnen – und die Eternit-Hausgemeinschaft. Alle haben eine Wohnung für sich, aber wenn man will, trifft man sich abends an der Bar. Jeder im Haus hat einen Schlüssel und kann sie nutzen.

SALON Kommen eigentlich noch viele Architekturliebhaber vorbei?

David Fuld Busladungen! Am Wochenende ist im Hansaviertel richtig viel los und schräg gegenüber vom Eternithaus gibt es im Schwedenhaus das Café Tiergarten (Altonaer Straße 3).

Sarah-Joan Fuld Davids Nachbar, Daniel De Schryver, organisiert immer wieder ehrenamtliche Führungen. Im Hansaviertel stehen Häuser von Oscar Niemeyer, Egon Eiermann und Arne Jacobsen neben denen von Walter Gropius, Max Taut und Alvar Aalto. Und wir versuchen immer wieder zusammen mit interessanten Partnern, das Eternithaus zu beleben. Die Münchner Design-Gallery „The Rope“ hat im Glasbausteinraum ausgestellt, das Architekten-Duo Gonzalez Haase ihre Objekte und Leuchten. Und wir würden gerne „Objects with Narratives“ aus Brüssel nach Berlin holen.

David Fuld Ein- oder zweimal im Jahr wollen wir die Eternithaus-Türen öffnen und etwas tun, das uns selbst überrascht.

Zum Weiterhören empfehlen wir die OUR HOUSE-Folge #61: Das Eternithaus in Berlin – mit Sarah-Joan und David Fuld. Überall, wo es Podcasts gibt.

Finden Sie mehr über Architektur- und Interior-Geschichten im SALON No. 47