Design & Interior

Accidental Förster

Der Fotograf Markus Jans hat in München, Paris, NYC und Berlin gelebt, bevor er in die Lüneburger Heide zog – in ein ehemaliges Forsthaus, das er mit Designstücken, Kunst und seiner Bücher-Sammlung zu neuem Leben erweckt hat. Ein Hausbesuch

Text: Antje Wewer
Fotografie: Elias Hassos
3. September 2026
Accidental Förster
Work-Life-Balance: Das Daybed im Arbeitszimmer steht auf einem Beni-Ouarain-Teppich. Den Schreibtischstuhl „Chair One“ mit Zementsockel hat Konstantin Grcic vor 20 Jahren designt. Die Leseleuchte „Tizio“ von Artemide ist ein Entwurf aus dem Jahr 1972

Das alte Forsthaus hat Markus Jans beim Spazierengehen entdeckt. Es stand bereits ein paar Jahre leer, im Garten blühte ein überdimensionaler Rhododendron und es gab die vage Idee, von Berlin in die Nähe von Celle zu ziehen. Das imposante Fachwerkhaus aus dem Jahr 1806 liegt in einem Wald in Miele. Alleinlage, 7000 m2 Gelände. Weit und breit kein Nachbar, dafür die Südheide und David-Austin-Rosen vor der Tür.

„Viele Städte und Umzüge haben sich bei mir durch Zufälle ergeben und dadurch, dass ich immer Lust auf Veränderung hatte“, erzählt der Fotograf, der als junger Philosophiestudent mit 22 Jahren zum ersten Mal Vater geworden ist. In München hat er angefangen, für die Designer Konstantin Grcic und Kostas Murkudis zu fotografieren. Nächste Station, Ende der Neunziger: Paris, Backstage-Fotos bei der Martin-Margiela-Show.

In Paris lebte Markus Jans in einem Mini-Apartment in Montmartre. Durch seine damalige Freundin, eine Stylistin der Vogue, lernte er die Fotografin und Künstlerin Nan Goldin kennen, deren Assistent er wurde. Für eines ihrer Projekte ging er nach NYC (Jans nennt es seine „Duplex“-Jahre im East Village).

Mitte der 2000er-Jahre kehrte Jans zurück nach Berlin, erst in ein Loft nach Mitte, später mietete er eine Altbauwohnung in Charlottenburg. Über die Jahre hat er Fotobücher und Magazine gesammelt sowie Kunst und Designobjekte. „Das Sammeln von Magazinen und Büchern kann man schon als Obsession bezeichnen. Was für Miele sprach, war die Möglichkeit für ein Archiv und eine Bibliothek.“ Auch über eine Künstlerresidenz hat er nachgedacht, war dann aber zu viel unterwegs. 

„Eigentlich bin ich kein Fachwerk-Freund. Um das Traditionelle zu brechen, habe ich den Metallbauer Axel Rössling gebeten, mir Raumteiler und eine Messinganrichte zu fertigen.“ Andere wichtige Elemente sind der Kamin und das orangefarbene Moroso-Sofa, die den Eingangsbereich zur Lounge machen, die Tischtennisplatte, die er mit seiner elfjährigen Tochter Alma bespielt, unzählige Fotografien von Nan Goldin, Wolfgang Tillmanns, Diane Arbus und die eklektische Sammlung von Leuchten und Stühlen. Genauso schätzt er in seinem neuen Zuhause allerdings seinen Traktor, den Aufsitzrasenmäher und die Motorsäge: „Wer braucht noch Transzendentale Meditation, wenn er seine Nerven mit Holzhacken beruhigen kann?“

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