SALON-Kollektion

Kunstvoll verpackt

Wandteppiche, ein Bühnenbild und die Fassade in Dessau: Mit Brigitte Franzen, Direktorin des Bauhaus-Archiv haben wir Kunstwerke ausgewählt und in SALON-Geschenkpapier verwandelt. Im Interview spricht sie über die Motive und darüber, was wir vom Bauhaus lernen können 

Text: VERENA RICHTER
Fotografie: ANNA WEGELIN
Produktion: WOLFRAM NEUGEBAUER
5. November 2026
Kunstvoll verpackt
Der historische Plan für die Fassadenbemalung des Dessauer Bauhauses wurde 1926 von Hinnerk Scheper entworfen. Mit Rot kennzeichnete er alle Öffnungen des Gebäudes wie Türen, Balkone und Fenster. Ein Druck dieses Fassadenentwurfs liegt als Geschenk unserer Aboauflage bei und ist Teil unserer Kooperation mit dem Bauhaus-Archiv. Gemeinsam mit dem Museum haben wir sechs Geschenkbögen nach Originalentwürfen kreiert

SALON: Frau Franzen, Sie haben mit uns gemeinsam die Motive für die SALON-Geschenkpapier-Edition ausgewählt. Was war Ihnen persönlich dabei besonders wichtig?

Brigitte Franzen: Ein guter Mix aus Arbeiten von bekannten und ungesehenen Künstlerinnen und Künstlern. Und dass die Motive eine möglichst große Bandbreite des Bauhauses repräsentieren. Bei dem Gruppenfoto, für das wir uns entschieden haben – es zeigt unter anderem Xanti Schawinsky und László Moholy-Nagy –, kommt zum Beispiel der Gemeinschaftsgeist zum Ausdruck, der für das Bauhaus so typisch ist.

Dabei wurde die Bewerbung der Fotografin Irene Bayer, die dieses Gruppenbild aufgenommen hat, 1923 von Walter Gropius, dem Direktor des Bauhauses, abgelehnt …

Das stimmt, aber zwei Jahre später nahm sie inoffiziell am Vorkurs in Weimar teil. Außerdem gehörte sie zum engsten Kreis der Bauhäusler, weil sie mit Herbert Bayer verheiratet war, einem der wichtigsten Grafiker und Typografen der Schule. Trotzdem ist es eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet dieses Bild zu so einem ikonischen Motiv für den Spirit geworden ist, der am Bauhaus herrschte.

Können Sie diesen besonderen Geist beschreiben?

Es ging um das Große und Ganze. Anfangs wurde am Bauhaus ja gar nicht wirklich gebaut. Sondern man bezog sich auf das Handwerk, auf die mittelalterliche Bauhütte, in der Teams von Baumeistern zusammenarbeiteten, um die sogenannte große Kathedrale zu errichten. Ein so theoretischer wie pathetischer Ansatz. Aber typisch für eine Zeit, in der es den Menschen wirtschaftlich nicht besonders gut ging und sie deshalb versuchten, sich auf der ideellen Ebene zu formieren.

Was bedeutet das konkret?

Dass die Idee eines Baus zwar nicht auf der Baustelle, aber dafür im symbolischen, metaphorischen Sinn – etwa als Aufbau einer anderen Gesellschaft – im Bauhaus gelebt wurde. Für diese neue Welt wollte man eine neue Architektur schaffen, darauf sollte alles hinlaufen. Es herrschte radikales Zukunftsdenken, und auch ein großes Zutrauen in die Zukunft. Man war davon überzeugt, dass sie etwas Besseres bringen würde.

Ab 1925 fanden die Ideen im Dessauer Bauhaus dann endlich ihren architektonischen Ausdruck. Wofür stehen das Schulgebäude und die Meisterhäuser?

Für Licht, Luft und Sonne. Ein freies Leben. Für ein gesundes Bauen, das dem Menschen nahekommt, auch von den Maßen her. Für offene Grundrisse, selbst im Siedlungswohnungsbau bei einer Wohnfläche von nur 70 m2 für drei bis vier Personen. Das war der Gegenentwurf zur dunklen, feuchten Erdgeschosswohnung eines Altbaus im dritten Hinterhof.

Wir durften eine Collage des Dessauer Bauhauses von 1926 nachdrucken. Was ist an diesem Gebäude so exemplarisch?

Die große, durchfensterte Fassade. Ein Motiv, das man schon in Kathedralen findet. Deren Fenster wurden aber von Strebepfeiler und -bögen gehalten. Während der moderne Betonbau es ermöglicht, eine Vorhangfassade zu schaffen. Das Stahlbetonskelett im Inneren trägt das Gebäude, die Außenwand selbst muss nichts tragen und kann durch Glasflächen quasi aufgelöst werden. Für die Bewohner von Dessau muss das ein bisschen so gewesen sein, als ob ein Ufo gelandet war.

Schon wer sich mit den Geschenkpapier-Motiven beschäftigt, lernt viel. Etwa, dass im Bauhaus künstlerische Arbeiten für die industrielle Massenproduktion gefertigt wurden, nehmen wir die Webpatrone von Monica Bella Broner. Verblüffend, wie dekorativ die roten und blauen Kästchen sind, die eigentlich nur zeigen sollen, wo sich die Fäden kreuzen müssen. In welchem Papier würden Sie gern ein Geschenk überreicht bekommen?

Was ich mir wünsche, kann man nicht einpacken. Mein schönstes Geschenk wäre, dass der Geist des Bauhauses auf uns überspringt. Dass auch wir wieder Vertrauen in die Zukunft haben – und begreifen, dass wir sie gestalten können.

Lesen Sie das komplette Interview in SALON No49

 

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